Kurzgeschichten rund um die Eisenbahn

Внимание—Die Russen kommen!

Wohin die Reise geht!

Die dreißig Findelkinder aus Peenemünde

Thomas und Sabine am Bahnhof

Внимание—Die Russen kommen!

Plötzlich beginnt das Geschirr im Schrank zu rasseln, ein Knack und schon ist die Fensterscheibe gesprungen. Aus Angst krallt sich Marianne an ihren Mann, Lokführer  Klaus.“ „Was ist das“ fragt sie entsetzt, „Kommen etwa die Russen?“ „Ja, Marianne, die Russen kommen, ab heute täglich auf unseren Schienen.“ Mit Gedröhn  und dem Schlagen der Kolben poltert das „Vehikel“ am Fenster der Müllers vorbei. „Taigatrommel“ sagt  Klaus nur. Muss ich mir Sorgen machen?“ Nein, Marianne, zum Verlieben ist die beleibte Russin nicht. Dann im Sommer 1970. Klaus meldet sich zum Dienst. Im Flur trifft er seinen TB-Gruppenleiter Hartmut. Der grinst ihn an. „was ist?“ die Neue ist da. Und wie sieht sie aus? Schau sie Dir und freunde dich mit  ihr schon mal an. Du gehst nächste Woche auf Lehrgang. Ach, sie steht im Schuppen auf Gleis 2 und heißt Ludmilla.“ „Ludmilla? Wer  denkt sich denn so was aus?“ „Keine Ahnung Klaus.“  Im Schuppen angekommen traut Klaus seinen Augen nicht. Äußerlich nicht schlecht, denkt er sich. Ludmilla im Roten Shirt und roten Minirock dazu der gelbe Gürtel. Das kann was werden mit uns. Abends wieder zu Hause bei Marianne stochert Klaus im Essen herum. „Schmeckt wohl nicht“ ihr bissiger Kommentar. Wortlos geht er aus der Küche mit seinen Gedanken bei Ludmilla. „ob sie auch so herum zickt, wenn’s mal nicht so… „Ich rede mit Dir“ holt Ihn die Stimme seiner Frau in die Gegenwart. „Hast wohl ´ne Neue?!? „Ja, habe ich“, trotzt Klaus. „Und wie heißt Sie?“ „Ludmilla!“ „Ludmilla, eine Russin also. Bestimmt so jungsches Ding mit Minirock usw.“ „Ja, den hat sie, sogar einen Roten mit gelbem Gürtel.“ „Morgen bin ich beim Rechtsanwalt.“ Rums und die Tür ist zu. Wie kann man nur so eifersüchtig sein, ist doch bloß eine Lokomotive. Aber einen exotischen Touch hat sie schon, muss selbst Klaus zu geben. Wochen später geht´s mit Ludmilla auf Probefahrt. „Mal sehen was die Püppi für ein Temperament hat.“ Klaus zieht sich an den Handstangen hoch. Nach der Sichtkontrolle bringt er die sechszehn Zylinder zum Laufen. Der Kompressor arbeitet. Gut gelaunt erscheint Rangierleiter Heinz. Der grinst: „Deine Neue, ich meine neue Planlok?“ „Ja ist Sie!“ „Ach Ja, willst Du Ludmilla fahren und bremsen bei guten als auch schlechtem Wetter bis das der Schrottplatz euch scheidet?“ „Das werden wir noch sehen“, kontert Klaus. „Kannst schon mal bis zum Ra 11a vorziehen.“ Klaus lässt den Diesel kurz aufheulen. Zufrieden brummen die Tatzlager der Fahrmotore. „Eine irre Stimme hat ja die Kleine“ kichert Heinz. Das Ra 12 leuchtet  auf und aus dem Stellwerk grüßt der Fahrdienstleiter. Vor dem Zug hält Klaus an. Heinz steigt ab, lässt Klaus aufdrücken  und bereitet die  Bremsprobe vor. Inzwischen ist es dunkel auf dem Seddiner Rangierbahnhof. „Im Dunkeln ist gut munkeln“ zwitschert Heinz und überreicht Klaus die Papiere. „3000 Tonnen bis Merseburg Süd, viel Spaß und keine Dummheiten“ Und  schon ist Heinz verschwunden. Nach einer Weile leuchtet das Ausfahrsignal Hl 3a. Noch ein Blick aus dem Seitenfenster, dann wählt Klaus die ersten drei Fahrstufen.  Ludmilla streckt sich. Sie klingt zufrieden und ist voll in ihrem Element. Als der Abgasturbolader sich  zuschaltet, verkündet Ludmilla mit unverkennbarer Stimme in den Weiten des Flämings wer hier auf den Schienen fortan das Sagen hat.  Wiesenburg Durchfahrt, Klaus geht in Nullstellung, lässt die Fuhre mit 70 km/h rollen und gönnt Ludmilla eine kurze Verschnaufpause. Ab Dessau können wir uns das nicht mehr leisten. Doch ausgerechnet da schaltet Ludmilla auf stur  und die Traktion ab. Kühlwasserüberhitzung meldet ein Wächter und natürlich sind alle Signale jetzt grün. Klaus versucht hoch zu schalten, ohne  Erfolg. Er sieht schon seinen Gruppenleiter mit der Dienstlichen Äußerung vor sich,  da erlischt die Meldelampe. Danke Ludmilla! Die vier Minuten holen wir wieder auf. Bitterfeld wird passiert, es stinkt wie immer, bloß weg hier. Ludmilla scheint sich für ihren Aussetzer zu revanchieren. Halle (Saale) nur noch zwei Minuten und Merseburg Süd ist Klaus sogar wieder pünktlich. Doch nach dem Abspannen lässt die nächste Hiobs-Botschaft nicht lange auf sich warten. „Schienenbruch in Ammendorf, kannst erst einmal abstellen“, meldet der Fahrdienstleiter über Funk und fügt hinzu: „möchtest einen Kaffee?“ „Gerne, der Feierabend ist eh im A…“, und das ausgerechnet heute zum Hochzeitstag, denkt er sich. Marianne wird kochen und bestimmt nicht nur das Mittag. Was soll´s, Berufsrisiko. Der junge Fahrdienstleiter versucht Klaus abzulenken: „Deine Lady da unten?“ und fragt ihn Löcher in den Bauch. Nach sechs Stunden endlich die erlösende Nachricht: die Strecke ist wieder befahrbar. „Lz nach Leipzig-Süd“ heißt der Auftrag. „Melde Dich wenn Du fertig bist, ich schiebe dich dazwischen.“ Klaus bedankt sich für den Kaffee und ist wieder bei seiner Schnecke. Der Rest ist Routine. Gegen Mittag ist Klaus in Leipzig-Süd. Der TB-Gruppenleiter nimmt die Lokomotive persönlich in Empfang, fragt ihn zweideutig, wie denn die erste Nacht mit Ludmilla war und wünscht Klaus  einen schönen Feierabend. Dann geht es mit dem Trabbi nach Hause in Markkleeberg. Müde zu Hause angekommen, wartet Marianne bereits mit dem Essen. „Ist schon kalt…und…von wo kommst Du eigentlich jetzt erst her? Hättest Du nicht zu sechs Feierabend?“ „von Ludmilla!“ „hab ich´s mir doch gedacht und ich mache Dir das Essen, warte auf Dich und dachte Du bist zur Nachtschicht. Wie naiv bin ich eigentlich?“ Liebst Du mich denn gar nicht mehr?“ „Doch sehr sogar!“ „Aber…ich verstehe. Eine für den Haushalt und die andere zum Vergnügen. Nein Klaus, so läuft das nicht. Da  musst Du dich entscheiden. Was hat Ludmilla, was ich nicht habe?“ Klaus grinst: „ein  Führerbremsventil, ein Traktionsschütz, einen…“ Marianne wird rot im Gesicht, ihr ist es peinlich. „Du  Miststück“ und fällt Klaus in die Arme.  „Weißt Du eigentlich  welcher Tag heute ist?“ „Na klar unser 30. Hochzeitstag,  habe ich nicht vergessen“ und drückt Marianne  einen Umschlag in die Hand. „Was ist  da drin?“ „Schau nach!“ „Franz Lehár-Der Zarewitsch mit Ivan Rebroff, Mensch Klaus, das ist ja heute Abend im Gewandhaus. Musst Du nicht zur Nachtschicht?“ „Überraschung!  Lena holt uns gegen 19 Uhr ab und fährt uns auch wieder nach Hause.“ „Du bist ein Schatz,  Klaus. Nachdem Rebroff am Abend das Wolgalied geträllert hat, ist Marianne voll aus dem  Häuschen und jubelt. „Muss ich mir jetzt Sorgen machen?“, scherzt Klaus. Marianne lächelt und drückt ihren Mann ganz fest. Dann ist Pause. Als plötzlich ein Glas klirrt ruft  einer  im Saal: „ist bestimmt der Rebroff bei der  Stimmprobe. Alles lacht. Marianne fügt hinzu: „Ich glaube es ist wieder soweit, die Russen kommen! Aus der Menge schallt es zurück, „ne, ne junge Frau, sie sind schon da!“ Wie wahr, wie wahr! 

 

Ludmilla im roten Kleid mit gelben Gürtel neben ihrer älteren Schwester Taigatrommel

Wohin die Reise geht!

 

Alexanderplatz an einem Montagmorgen. Nach dem schönen Wochenende beginnt wieder der Alltag und noch etwas zerknirscht warten die ersten Fahrgäste auf[1] ist Lokführer und hat „seinen“ Zug für die Linie S75 nach Spandau programmiert.  An der Zugspitze und im Zug ist das Fahrtziel abzulesen und jeder weiß wohin die Reise geht. Routinemäßig bringt er den Zug an der Haltetafel zum Halten, gibt  die Türen frei. Jeder Handgriff sitzt. „Eingefahrener Zug fährt nach Spandau, über Friedrichstraße, Hauptbahnhof, Zoologischer Garten, Westkreuz, nach Spandau, Einsteigen bitte…“ verkündet Aufsicht Kerstin Hoffmann über Lautsprecher und auch der letzte Morgenmuffel kann nun vertrauen, den richtigen Zug erwischt zu haben. Thomas und Kerstin blicken zum Ausfahrsignal,  es ist grün. Fahrdienstleiterin Simone Müller im fernen Stellwerk Halensee überwacht das elektronisch programmierte und gesteuerte Signal auf ihren Streckenabschnitt und kann im Notfall eingreifen. „Zurückbleiben bitte“ warnt Kerstin die Fahrgäste und  da das elektrische Türschließ- und Abfahrsignal mal wieder gestört ist greift sie zum  Funkgerät und spricht: „Zug Theodor[2] nach Spandau Türen schließen, Zug Theodor nach Spandau abfahren!“ Thomas folgt dem Funkspruch und die Reise geht weiter. Was ist an dieser Episode nun Besonderes, die sich täglich tausendfach wiederholt? Na? Es wimmelt nur so an Informationen. Informationsübertragung ist für uns nicht greifbar und nicht  sichtbar, sie ist also nicht materiell und dennoch so wichtig, ja sogar lebenswichtig. Sie  kann bewegen, stoppen, schützen. Also gibt es doch mehr zwischen Himmel und Erde was wir nicht sehen und anfassen können. Da stellt sich doch glatt die Frage, woher kommen die Infos?

Die fünf Naturgesetze der Information:

1. MATERIE KANN KEINE INFORMATION ERZEUGEN

2. INFORMATION IST MASSELOS UND NICHT MATERIELL

3. INFORMATION KANN NICHT ZUFÄLLIG ENTSTEHEN

4. INFORMATION BENÖTIGT STETS EINEN URHEBER

5. LEBEN IST DIE WEITERGABE VON INFORMATION UND IST NICHT

MATERIELL

Natürlich von einem Urheber verbunden mit seinem Willen. In diesem Fall sind Kerstin Hoffmann, Simone Müller und Thomas Friedrich die Urheber. Danke euch drei, denn ohne ihren Willen bewegt sich nichts. Die Fahrgäste sind noch müde, aber durch Euch sitzen sie  im richtigen Zug, vertrauen Euch sicher anzukommen, müssen nicht erst suchen oder fragen. Dafür sind sie ganz bestimmt dankbar, auch  wenn sie es selten zeigen. Doch woher weiß Thomas wie er seinen Zug führen muss, wann und wo er beginnt und Feierabend hat  und nach welchem Fahrplan er fährt? Wieder sind die „Informanten“ nicht sichtbar und dennoch so wichtig, denn ohne sie und ihren Willen bewegt sich nichts. Danke an die Konstrukteure, Disponenten, Schichtplangestalter,  Controller, Fahrplantechnologen, Ausbilder, Werkstätten- und Reinigungspersonale. Thomas muss sich auf die Strecke konzentrieren. Doch er ist ganz bestimmt dankbar, auch wenn er es gerade nicht zeigen kann. Wer „versorgt“ nun die Konstrukteure, Disponenten, Schichtplangestalter, Controller, Fahrplantechnologen, Ausbilder, Werkstätten- und Reinigungspersonale mit den  notwendigen Informationen? Danke an die Führungskräfte, denn ohne ihren Willen herrscht das Chaos und bewegt sich nichts. Und Bewegung ist Leben. Doch woher bekomme ich die Information für eine gesunde Lebensweise, wann ich Hunger habe, auf die Toilette muss oder wie das Blut zirkuliert. DNS-Code,  100  Milliarden  Neuronen  im  Gehirn  die  auf einer   Länge  von  500  000  km  vernetzt  sind,  dazu  138  000  km, Kabellänge“  im  Körper!  Ist  das  Zufall  oder  „steckt“  dort  auch  ein unsichtbarer  Informant,  bzw.  Urheber  dahinter?  Keine  S-Bahn  kann eine  S-Bahn  bauen,  also  kann  kein  Gehirn  Informationen  erzeugen sondern nur  verarbeiten.  Ist  die Evolution das wir  zufällig  aus Materie kommen und mit  dem Tod alles vorbei  ist  quatsch oder  sind auch wir eine  geniale  Konstruktion  eines  „Programmierers“  die  Informationen verarbeiten,  unterscheiden  und  danach  handeln?  Nicht  einmal  die  zu einem Netzwerk  verknüpften  Rechner  erreichen  auch  nur  annähernd die  Rechenleistung  (1  hoch  18  Operationen  pro  Sekunde) eines menschlichen Gehirns.  Und das soll  zufällig  entstanden sein, wo schon der kleinste Rechenfehler Krankheit oder sogar Tod bedeutet? Ist Spandau absolute Endstation oder hat jemand  die Weiterfahrt irgendwann in Richtung  Falkensee bereits schon vorgesehen und programmiert? Unter  diesen  Umständen  hat  der  Materialismus  an denen  bereits  Nationalsozialisten  und  Kommunisten  scheiterten  und der  Kapitalismus  scheitern wird,  keine Chance und es  bleibt  gar  keine andere Alternative übrig als zu glauben, dass es noch jemanden gibt dert der lenkt und führt. Haben wir uns eigentlich schon bei dieser Führungskraft bedankt oder rufen wir erst nach ihr, wenn wir in Not oder schwer krank sind und wundern uns, dass sie nicht sofort antwortet. Dieser Führungskraft gebührt höchste Hochachtung, denn diese hat alle Schuld von Korruption, Fremdgehen, Diebstahl auf  sich genommen und unschuldig mit seinem Blut bezahlt. Sie hat es ertragen gedemütigt, verspottet und geleugnet zu werden obwohl diese alle Macht hatte das Martyrium abzubrechen. Stimmt´s? Also sollte sich niemand wundern, wenn die Endstation erreicht, dass Ausfahrsignal in Spandau plötzlich grün ist und die Reise nach Falkensee weiter geht. Dann aber diese Führungskraft als Lotse sagt: „Dich kenne ich nicht, du bleibst hier in Spandau  auf der Strecke, deine Reise ist hier zu Ende.“ Natürlich wird sich der Lokführer beschweren, er  wird klagen bis in die höchste Instanz. Doch er wird ganz klein,  wenn  der Lotse plötzlich vor ihm auf dem Richterstuhl sitzt, alle Vollmachten besitzt und er in seinem Leben nur Anwalt Dr. Hans-W. Teufel vertraute. Er wird sich dann fragen, warum habe ich Dir nicht geglaubt, mich nicht an Deine göttlichen Weisheiten gehalten, Dir vertraut. Jeder hat die freie Wahl in seinem Glauben  doch niemand muss sich irgendwann wundern, dass  „Verstöße“ gegen die Fahrdienstvorschrift des Lebens, der Bibel, auch Folgen haben können. Danke an diese Führungskraft namens Jesus Christus, der ohne Krawatte und  Audi 80 unsichtbar mit seinem Rat und seiner Tat an unserer Seite stand, steht und stehen wird und unseren Fehlern vergibt, sofern wir uns zu diesen bekennen und daraus lernen und die wahrhaften Tugenden an unsere Kinder weitergeben. Es ist dazu nie zu spät. Es  ist  nun  einmal  die  Sünde  die zur  Trennung  des  Menschen  von Gott  führte  und   mit   der   Leid und  Tod   Einzug  hielten.   Doch  aus diesem  „Höllenzug“  kann jeder  zu  Lebzeiten  wieder  aussteigen. „Nächster  Bahnhof Hauptbahnhof,  Übergang  zum  Regional  und Fernverkehr!“

 

Die dreißig Findelkinder aus Peenemünde

Hätte Wernher von Braun gewusst, welchen Schaden und wieviel Leid er mit der Raketenantriebstechnik der Menschheit zufügen wird, er hätte sicher die Finger davon gelassen. Doch Vernunft ist die eine, Prestige die andere Seite der Medaille. Ohne ihn hätte es sie nicht gegeben, die dreißig Findelkinder aus Peenemünde. Dies ist die Geschichte von:

  • Alexander & Alexandra[1]             
  • Andreas & Andrea                                   
  • Bernd & Bettina                            
  • Daniel & Daniela
  • Franz & Franziska                        
  • Gerd & Gerda
  • Helmut & Helmine
  • Johann & Johanna                                   
  • Karl & Karla                                   
  • Manuel & Manuela
  • Marius & Maria                            
  • Martin & Martina
  • Paul & Paula
  • Stefan & Stefanie
  • Ullrich & Ulrike

Von denen die ersten zwanzig am 22.  August 1940  und am  30.  Januar 1941  die restlichen zehn das Licht der Welt erblickten. Am Abend eines Herbsttages im Jahr 1941 in der Waggonfabrik Dessau:  „Sag mal Daniel, weißt Du was mit uns wird? Wo kommen wir hin?“ „Ich weiß es nicht Franz, noch nicht.“ „Wir werden doch keine Dieselstinker?“ „Ganz bestimmt nicht, Johann.“ „Ich kann Euch nur sagen, dass die 167er da drüben zur  S-Bahn nach Berlin kommen, kein schönes Los, jetzt im Krieg. Massentransporte, Verdunkelung, Bombenangriffe. Ich hoffe,  dass wir davon verschont bleiben.“ „Aber Daniel, wir sind ihnen äußerlich sehr ähnlich, aber wir haben keine Reichsbahnnummer? Kommen wir auf eine Privatbahn?“ „Macht Euch keine Gedanken und  schlaft erst einmal,  ich frage morgen den Werkmeister.  Gute Nacht,  ihr Lieben.“ „Gute Nacht, Daniel.“ Am nächsten Morgen in der Werkhalle. Als der Werkmeister seinen Rundgang beginnt nutzt Daniel die Gunst der Stunde und fragt ihn wo es denn nun hingeht. Der Werkmeister ist kurz angebunden und sagt nur: „Peenemünde“ und verschwindet wieder.“ Und wo liegt Peenemünde?“ fragt Johann Daniel. „An der Ostsee“ kommt von hinten aus der Ecke wo die 167er stehen. „Euch habe ich nicht gefragt.“ „Ich komme gleich rüber, dann knallt’s.“ Ruhig, ruhig! Daniel versucht die Situation zu beruhigen. „Ist doch war, ihr kommt an die Ostsee in Urlaub und wir müssen in der Reichshauptstadt schuften“ sagt der 167er. Einen Tag später ist der Werkmeister wieder auf der Runde und sagt zu Daniel: „Morgen geht`s auf große Reise nach Berlin. Dort lernt ihr das Laufen und  jeder bekommt eine Partnerin.“ „Eine Partnerin?“ „Ja, sie kommen aus Bautzen und werden mit euch verkuppelt“. „Packt eure Sachen und lasst nichts liegen“. Daniel verabschiedet sich von den 167ern und  wünscht  ihnen alles Gute.“ Vielleicht  sehen wir uns irgendwann mal wieder.“ „Ja vielleicht.“ Eine Rangierlok zieht die Jungs aus der Halle, die Sonne scheint und unwillkürlich müssen alle erst einmal die Augen zukneifen. Da kommt auch schon die Dampflok und spricht zu Daniel: „Ich bring euch jetzt nach Berlin“. Nach 8 Stunden Fahrt mit Pausen sind sie in der Reichshauptstadt. „Berlin-Schöneweide“ steht auf einem Schild. Die Dampflok verabschiedet  sich und eine kleine Rangierlok übernimmt die Fuhre. „Ich fahre euch jetzt ins Ausbesserungswerk, wo eure Mädels schon auf euch warten.“ Dort angekommen ist die Freude groß. „Sie sehen ja ganz genauso aus wie wir!“ ruft Johann.  Nachdem sie sich bekannt gemacht haben geht es erst einmal in die Werkhalle. Dort bekommt  jede bzw. jeder  seine elektrische Ausrüstung implantiert und einen Stromabnehmer auf das Dach. „Wir fahren mit Oberleitung“ ruft Johann und Daniel lächelt: „Ja, mit 1100 Volt Gleichstrom.“  Danach ist Party. Johann macht sich mit Johanna bekannt, Daniel mit Daniela und die anderen 13 ebenfalls mit ihren Partnern.  Danach werden sie verkuppelt, auf Lebenszeit, bis dass der Schrottplatz sie scheidet. „Und wann geht´s nach Peenemünde“ fragt Johanna Daniel. „Ich glaube nächste Woche, wenn wir unsere Probefahrten absolviert haben.“ „Was weißt du mehr über Peenemünde“ kommt  von hinten von Karla. „Ich weiß nur, dass es auf einer Halbinsel liegt, die Usedom heißt“ sagt  Daniel und fährt fort: „Dort hat das Militär geheime Projekte geplant und wir sollen die Angestellten von und zur Arbeit fahren.“ „Doch jetzt ruht euch aus, die Reise wird bestimmt anstrengend.“  Bevor es gen Ostsee geht, bekommt jedes Pärchen ein neues Farbkleid. Die Pärchen präsentieren sich stolz mit rotem Rock bzw. roter Hose und gelbem Shirt. Im Dezember 1942 ist der große Tag gekommen, eine Rangierlok bringt die ersten Pärchen zum Rangierbahnhof, wo eine Dampflok die Fuhre übernimmt. Auf dem Weg grüßen ein paar gutgelaunte 167er  die Peenemünder  und wünschen ihnen eine gute Reise. Einen Monat darauf folgen die Anderen, so dass am 25. Januar 1943 die letzten Pärchen von ihrem neuen Personal in Empfang genommen werden. Sie beziehen ihre Wohnung in Karlshagen, von wo sie nun täglich mit den Probefahrten beginnen. Am 28. Februar fuhren sie sogar als „4-Pärchenzug von Trassenheide-Westwerk nach Peenemünde-Dorf und auf der Ringbahn.“ Der 15. April 1943 wurde dann zum „großen Tag“, als man den regulären Betrieb aufnahm. Schnell machten sich die Peenemünder mit ihrer neuen Umgebung vertraut und waren sowohl bei den Fahrgästen als auch beim Fahrpersonal beliebt. Ab den 1. Juni galt für die 15 Pärchen sogar ein besonderer S-Bahnfahrplan. Fuhren in der Regel 2-Pärchenzüge, so verstärkte man diese im Berufsverkehr zu 3- und 4-Pärchenzüge. Dann hatten in den 16 Abteilen bis zu 220 Fahrgäste auf Holzbänken Platz. Bei den Damen durfte sogar geraucht werden. Doch nach der anfänglichen Euphorie, machte sich zunehmend Nachdenklichkeit unter den Peenemündern breit. Am Abend vor dem Schlafen gehen; es ist der 17. August 1943 sagt Paula noch in die Runde: „Hoffentlich rächt sich der Raketenwahnsinn nicht eines Tages. Davor habe ich Angst, schlaft gut alle zusammen.“ „Du auch Paula.“ Sie sollte den nächsten Morgen nicht mehr erleben, denn diese Nacht brachte allen unendlich viel Leid und blieb auf Lebenszeit in den Achsen haften. In dieser Nacht bombardierten die Alliierten Karlshagen. Viele Kriegsgefangene, Einwohner und  Angestellte verloren dabei ihr Leben. Unter den Opfern waren auch Paul & Paula, Stefan & Stefanie, Franziska,  Helmut & Helmine, Manuel & Manuela und Maria. Die Wohnung brannte komplett aus und stürzte ein. Franz, Marius, Karl und Karla waren verwundet und kamen in die Klinik nach Berlin-Schöneweide. Erst am 12. November 1943 wurden Karl & Karla entlassen und kehrten heim. Etwas skeptisch von ihren 14 Geschwistern beäugt, war es  Martina, die raus haut: „Mein Gott, wie seht ihr denn aus? Ihr seid ja ganz grau.“ Fast beschämend kam von Karla: „tja, die rote Farbe war alle.“ Dann mussten alle herzhaft lachen. „Wie geht es Franz und  Marius“ möchte Johanna wissen und ergänzt „Wann kommen die Beiden nach Hause?“ „Ich weiß es nicht.“ Franz und Marius verblieben in Berlin, heirateten nach dem Krieg zwei 167er Beiwagen und wohnten fortan in Berlin-Grünau. Eine Zeit lang motorenlos wurden sie waschechte 167er. Franz verunglückte am 24. September 1989 schwer im Bahnhof Bernau. Sein Fahrer war eingeschlafen und raste mit ihm in das Bahnhofsgebäude. Er blieb Gott sei Dank unverletzt. Franz war klinisch Tod, konnte aber seine  Organe einen U-Bahnwagen für die neue Linie nach Hönow spenden. Er wurde im März 1990 beigesetzt. Marius dagegen fuhr bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2003 und verstarb kurz darauf.  Doch zurück nach Karlshagen im Herbst 1943, wo nichts mehr war, wie vor dem Bombardement. 7 Pärchen teilten sich den Verkehr mit Dampfzügen. Übernachtet wurde im Freien. An einem Abend, Karla reibt sich die Augen, da erzählt Johann von seinem Tag: „stellt Euch vor, ich hatte heute zwei ranghohe Offiziere an Bord. Der eine schlug doch tatsächlich vor, den elektrischen Betrieb aufzugeben und uns an die Reichsbahn zu verschachern.“ „Unglaublich“ kommt von Alexander. „Gott sei Dank, war der andere so blickig ihm zu erklären, dass kein Dampfzug annähernd die Leistung bringt wie wir.“ „Das ist noch nichts. Hört zu was ich heute erfahren habe“ kommt von Ulrike. „Die Russen sollen  sich nähern und man plant die Evakuierung.“ „Waaas?“ Ja, die Produktion soll in einem Gebirgsstollen nahe Nordhausen verlegt werden und wir sollen mit.“ „Das  sind doch alles Gerüchte.“ „Schon Daniel! Aber auf russische Kriegsgefangenschaft habe ich keinen Bock, um dann auf der Transsibirischen Eisenbahn zu erfrieren“ kommt von Johann. 1 ½ Jahre später: „Aufwachen, Jungs und Mädels! Daniel & Daniela, Johann & Johanna, Karl & Karla und Ullrich & Ulrike  machen sich reisefertig, es geht in den Süden.“ „nach Italien?“ scherzt Johanna. Nein, das Ziel ist geheim“ sagt der Fahrmeister. Am 17. Februar 1945 macht sich der erste Evakuierungszug auf dem Weg. Tränen  fließen. „Bleibt Gesund“ rufen die zurückbleibenden Peenemünder. Zu diesem Zeitpunkt planen Alexander & Alexandra die  Flucht nach Berlin um sich unter die S-Bahnzüge zu schmuggeln. Die Flucht gelang. Zur Tarnung trennten sich die Beiden, was auf Lebenszeit so blieb. Beide heirateten 167er (Alexander sogar einen 2 Jahre älteren Homo-Dessauer, für dem er seine Fahrmotore abgab) und wohnten  bis zu ihrer Pensionierung  am 4. November 2003 in Berlin-Grünau. Heute wird er zusammen mit Johann & Johanna vom rührigen Verein Historische S-Bahn gehegt und gepflegt. Alexandra ist nach einen Abstecher zur Buckower Kleinbahn in der Märkischen Schweiz in ein Museum  in Horb bei Stuttgart gezogen. Doch wie erging es den anderen Acht.  Nach Kriegsende waren alle wohlauf. Daniel & Daniela verschlug es bis ins Frankenland, Andreas & Andrea, Bernd & Bettina, Gerd & Gerda und Martin & Martina blieben in Peenemünde, Johann & Johanna, Karl & Karla und Ullrich & Ulrike waren in Thüringen. Was Johann Jahre zuvor in Karlshagen  prophezeit hat, wurde nun Realität. Die Russen beschlagnahmten die Peenemünder- und Thüringer-Pärchen und (ver-)schleppten sie nach Tallinn und Moskau. Ausgerechnet hier trifft Johann den 167er wieder, der ihn damals in Dessau Prügel angedroht hatte. Der 167er entschuldigte sich: „Karl & Karla hatten von Eurem  Leid erzählt als sie in Berlin waren.“ Sie versöhnten  sich und wurden Freunde. In Berlin ließ man nichts unversucht die Peenemünder und Berliner aus der Kriegsgefangenschaft heimzuholen. 1952 dann die erlösende Botschaft: Ihr kommt nach Hause! Die 7 Pärchen wurden herzlich von den Berlinern aufgenommen. Besonders Franz, Marius, Alexander und Alexandra freuten sich über das Wiedersehen. Doch bevor sie echte Reichsbahner mit 167er Nummer wurden mussten sie sich von Oktober 1952 bis März 1953 in der Klinik Berlin-Schöneweide einer Operation unterziehen. Karla beschreibt es wie folgt: „ein bisschen enttäuscht waren wir schon, was die Berliner aus uns machten. Das wir unseren Dachstromabnehmer einbüßen war klar, aber dass wir unsere vollautomatische Scharfenbergkupplung abgeben mussten, dafür von den betagten 165ern Stecker und Dose sowie die Steuerung erhielten und das meine Schwestern und ich die Führerstände verloren, verstanden wir nicht. Besonders mit den Fahrmotoren bei den Jungs tat man  sich schwer.  Während diese 750 Voltspulen verpasst bekamen, beließ man den hochohmigen Anker. Die Folge war ein Drittel weniger Leistung als bei den Berlinern und nur 70 km/h Höchstgeschwindigkeit. Wenigstens moderne Leuchtstofflampen und eine neue Bleibe. Dafür waren wir sehr dankbar. UND!  Wir bekamen eine Reichsbahnnummer. ET 167 das hat schon Klang, selbst wenn ihr ihnen technisch nie entsprachen. Nach der OP bezogen wir unser neues Heim in Berlin-Grünau und machten uns mit den Berliner Sitten vertraut. Die nächsten zwölf Jahre waren jedenfalls voll ausgelastet.“ Die Proteste der Fahrpersonale fanden Gehör, denn 1965 wurden „die glorreichen Sieben“ erneut operiert. Dieses Mal erhielten sie richtige S-Bahnmotore, Funkgeräte und Sicherheitsfahrschaltung, die Damen ihre Führerstände zurück und eine  komplett neue Inneneinrichtung. „Anschließend wurden wir, nun als 166er tituliert, im S-Bahnnetz verstreut“ so Johanna. „Berlin  war geteilt und wir kamen auf Strecken, wo nichts los war. Andreas & Andrea, Bernd & Bettina, Ullrich & Ulrike und ich kamen nach Velten und wurden als „V1“ und „V2“ eingesetzt. Gemeint sind  hierbei Zuggruppe und Umlauf, hihihi.  Im Spätsommer 1968 zogen die Drei nach Berlin-Wannsee wohin ich ihnen im September 1969 folgte. Beusselstraße­—Spandau West und Jungfernheide—Gartenfeld wurde unser neues Einsatzgebiet. Die Wannseer Jahre waren mit die schönsten ohne viel Stress und Hektik. UND! Wir kamen mit die anderen 166er in Kontakt und lauschten ihnen abends, wenn sie von Olympiade oder schnell fahrenden S-Bahnzügen auf Fernbahngleisen erzählten. Im September 1972 kamen auch Martin & Martina und Oktober 1978  Karl & Karla nach Wannsee. Wir fühlten uns wie in alten Zeiten und dachten dabei oft an Daniel & Daniela. Was wohl mit den Beiden geschah? Dann die Sensation. Es muss so 1979 gewesen sein als der Wagenmeister uns ein Bundesbahnmagazin zeigte. „Freizeitgruppe in München betreut ausrangierten ex Peenemünder 426  002“ stand auf der Titelseite. Daniel? Es kann nur Daniel sein. Bisschen fremd sieht er ja aus. Mensch, der hat es sogar zum Wechselstromtriebwagen geschafft.  Wir mussten lachen, als wir ihn uns mit Tirolerhut und Lederhose im Münchener Biergarten vorstellten. Wir fassten uns ans Herz und schrieben  den Beiden einen Brief: „Liebe Daniela & Daniel! Wie geht es Euch? Der Zufall wollte es, das wir von Euch erfahren. Wir sind jetzt alle Berliner und wohl auf. Wir sind sowohl im Westen (Raum Spandau) als auch im Osten (Spindlersfeld—Schöneweide) auf Tour. Weil sich die Reichsbahn keine neuen Fahrzeuge leisten kann, kommen wir in Kürze zusammen mit allen 166ern und 167ern noch einmal unters Messer. Wir heißen dann 277mod, verlieren zwar unseren markanten Hilfsstromselbstauslöser, bekommen dafür schicke Drehgestelle, unsere vollautomatische Scharfenbergkupplung zurück und zweigeteilte Frontfenster. Lasst doch bitte was von Euch hören. Ganz liebe Grüße von Johanna und die Anderen. Nach einigen Wochen die ersehnte Antwort: „Liebe Johanna! Ganz herzlichen Dank für Euren lieben Brief über den sich Daniela und ich uns sehr gefreut haben. Wir dachten bis dato, wir seien die einzigen Überlebenden. Nach dem Krieg kamen wir zusammen mit einem Berliner 165er, welcher  in den Niederlanden gefunden wurde zur Isartalbahn in München. Bis 1955 fuhren wir mit Gleichstrom. Die Bundesbahn meinte die Strecke auf Wechselstrom umzurüsten und schickte mich zur OP in eine Klinik nach Kassel. Dort war ich über ein Jahr in Behandlung, bekam einen Trafo, ein neues Drehgestell und einen völlig neuen Kopf. Im roten Anzug verließ ich als ET 26 02 die Klinik am 5. September 1957. Daniela blieb nahezu unverändert. Sie bekam ein rotes Kleid. Danach wohnten wir in Rosenheim, München Ost, Regensburg und zum Schluss in Koblenz. Seit dem 26. Oktober 1978 sind wir Rentner und haben unseren Alterswohnsitz in Garmisch-Partenkirchen bezogen. So schön der Blick auf die Alpen ist, würden wir mit Euch so gerne noch einmal Ostseeluft schnuppern. Seid ganz lieb gegrüßt Eure Dannies aus Bayern. Zurück in Berlin. Weil die neuen Drehgestelle nicht reichten blieben Johann & Johanna und Karl & Karla  von der Modernisierung verschont und wohnten noch bis 1983 in Wannsee. Meist pendelten sie in den Abendstunden zwischen Friedrichstraße und Charlottenburg. Danach  zogen die  Beiden nach Berlin-Friedrichsfelde und wohnten dort bis zu ihrer Pensionierung am 2. September 1991. In den Achtzigern machten sie sich einen Namen als „Bouletten-Susi“, in dem sie die Verpflegungsstützpunkte für die Lokführer in Greifswalder Straße und Ostbahnhof mit Lebensmittel versorgten. Während Johann & Johanna heute liebevoll vom  Verein Historische S-Bahn betreut werden verschlug es Karl & Karla in ihre Geburtsstadt Dessau, nachdem sie Jahre zuvor als Restaurant in Falkensee dienten.  Die restlichen Fünf erlebten  noch das Zeitalter der Deutschen Bahn AG und waren bis zu ihrer Berentung  am 4. November 2003 stolze 60 Jahre im Dienst. In den letzten Jahren hatten sie in den Abendstunden die Strecke Mahlsdorf—Strausberg Nord in der Hand. Andreas & Andrea sind heute im Bahnhof Mellensee abgestellt, Bernd & Bettina und Ullrich & Ulrike starben  im  August 2004 und wurden im Schrotthafen  Königs Wusterhausen beigesetzt. Gerd & Gerda stehen noch in Schöneweide und Martin & Martina verkaufte man am 23. November 2008 an eine Schule. Doch was geschah mit Daniel & Daniela? Das Verkehrsmuseum Nürnberg hatte die Beiden in den neunziger Jahre  abgeschrieben. Im Freien übernachtend  erkrankten Daniel & Daniela schwer.  Niemand rechnete mit deren überleben. In letzter Minute rettete das historisch technische Museum in Peenemünde Beide und  holte sie im März 2004 nach Hause auf die Insel. Fast drei Jahre bastelte und schraubte  ein Team um sie äußerlich wieder fit zu machen. Der 17. Juni 2007 wurde dann zu ihren neuen Geburtstag. Seit dem erzählen Daniel & Daniela ihre Geschichte, der von den dreißig Findelkindern aus Peenemünde.


[1] Namen sind frei erfunden

Marius zu Gast in Wannsee im Jahr 2000

Thomas und Sabine am Bahnhof

 

Als Thomas und Sabine am Morgen durch Bremen laufen, staunen Sie nicht schlecht. Irgendetwas schnauft und atmet laut in ihrer Nähe. Komm, lass uns das finden, sagte Sabine zu Thomas und Thomas meinte klar doch, das ist bestimmt ein neuer Freund, der sich über unseren Besuch freut. Neugierig ziehen die Beiden los. Sie erreichen ein großes rotes Gebäude und ein geschäftiges Treiben erwartet sie. Viele Menschen mit Koffer und Taschen kreuzen ihren Weg. „Hauptbahnhof“, liest Sabine auf  einem großen Schild. Was ist das, fragt Thomas neugierig. Das ist ein Sammelpunkt für Reisende die von hier die Eisenbahn nutzen um ein anderes Ziel zu erreichen, antwortet Sabine. Meinst Du das Schnaufen kommt von hier? Hörst Du doch – komm lass es uns finden! Durch eine große  Halle und einen langen Gang nähern Sie sich dem Geräusch. Noch die Treppe hinauf, da steht das atmende Ding vor Ihnen. 01 519 liest Sabine laut und fragt im gleichen Augenblick, sag mal Du, hast Du auch einen Namen, wer bist Du? Ich bin eine Dampflokomotive und die Nummer ist mein Name. Meine Eltern hatten noch richtige Namen. Sie hießen Adler und Saxonia. Doch Sie bekamen so viele Kinder, das wir uns nur durch Nummern unterscheiden. Neugierig lauschen Thomas und Sabine der Dampflokomotive. Seht mal ihr Beide, alles an mir ist wie bei euch Tieren und Menschen. Was Ihr hier seht ist mein Körper und mein Geist ist der Lokomotivführer. Er lenkt und führt mich durch das Leben, während meine Seele, der Heizer mich nährt, pflegt und putzt. Viele meiner Geschwister und auch ich haben sehr liebevolle Lokführer und Heizer die uns hegen und pflegen aber auch fordern. Die meisten Lokomotiven haben ein sehr langes Leben. Einige haben nicht das Glück und deren Leben ist kurz oder endet mit einem Unfall. Wie alt bist Du denn? Fragt Thomas. Eine Dame fragt man nicht nach dem Alter, aber für Euch mache ich eine Ausnahme. Geboren bin ich am 17. Juni 1936 in Kassel und bin jetzt 85 Jahre alt. Wie alt? Staunt Thomas und meint, dann brauchst Du doch eigentlich nicht mehr arbeiten? Stimmt, ich bin ja auch seit langem Pensionist und arbeite heute zur Freude vieler Kinder und Erwachsenen, die auch gerne wieder Kinder wären. Aber ich hatte auch viele Verjüngungskuren in einer großen Klinik in einer Stadt die Meiningen heißt. Im Februar 1964 bin ich dort sogar geliftet worden, aber das müsst ihr ja nicht unbedingt weiter erzählen. Klar doch, machen wir, versprechen Thomas und Sabine. Sag mal, wenn Du wie wir bist musst Du auch essen, trinken und auch atmen? Genau, wir atmen tief bis unseren Bauch hinein um unser Feuer anzufachen und die Nahrung zu verdauen. Unsere Lungen heißen Luftpumpe. Trinken tue ich ganz viel Wasser mit Mineralien damit mein Körper nicht verkalkt. Und was isst Du am liebsten, wenn Du hungrig bist? Die Dampflokomotive schmunzelt: Steinkohle! Thomas schluckt, und das schmeckt? Mir schon, auf jeden Fall besser als früher die Braunkohle, da war ich immer hungrig. Damit ich unterwegs keinen Hunger bekomme habe ich alles bei mir im Tender. Musst Du denn auch pi pi und groß fragt Sabine. Ihr seid aber neugierig. Natürlich, nur heißt das bei mir abschlammen und entschlacken. Du hast große Räder mit so eigenartigen Stangen, warum das fragt Thomas. Das sind meine Gelenke die meine Beine antreiben. Die kommen vorn aus meinem Herz, das wir Zylinder nennen und müssen besonders gut geschmiert werden, damit sie nicht kaputt gehen. Besonders meinen Kreuzkopf, denn wenn der bricht kann ich gar nicht mehr laufen. Deswegen bekomme ich ganz viel Öl. Ihr staunt über meine schlanken zwei Meter großen Beine? Die erlauben mir ganz schnell zu laufen, was auch meine Aufgabe ist. Ich bin eine Schnellzuglokomotive und bringe die Menschen schnell an ihr Ziel. Andere meiner Geschwister sehen ganz anders aus. Sie sind entweder dicker, stärker oder haben kleinere Beine, je nachdem ob sie hohe Berge besteigen müssen oder schwere Lasten ziehen. Hast Du denn auch Kinder? Fragt Thomas neugierig. Oh ja, sogar Enkelkinder. Schaut mal da drüben kommt der ICE, das ist mein jüngster Enkel. Auf ihn bin ich besonders stolz. So nun glaube ich geht’s gleich auf die Reise. Und wohin? Nach Erfurt das ist eine große Stadt und dann zu mir nach Hause in Arnstadt. Dort habe ich in einen Schuppen meinen Platz zum Schlafen, da werde ich gewaschen, versorgt und kann mich erholen. „Zum Sonderzug nach Erfurt einsteigen, die Türen schließen und Vorsicht bei Ausfahrt des Zuges“, tönt eine Stimme über den Bahnsteig. Macht es gut Thomas und Sabine, habe mich gefreut euch kennenzulernen. Die Dampflok blinzelt mit ihren Laternen beiden zu und voller Stolz verkündet sie mit der tiefen Stimme ihrer Dampfpfeife, dass es jetzt losgeht. Thomas und Sabine winken der Dampflokomotive nach, die bald mit einer endlosen Wagenschlange den Bahnhof verlassen hat. Weißt du was Thomas, ich habe jetzt großen Hunger. Dann lass uns jetzt etwas essen gehen sagt Sabine. Aber bitte keine Kohlen, lacht Thomas laut und Sabine schmunzelt: Nee, Du ich glaube die bekommen uns nicht.

01 531 die jüngere Schwester von 01 519 in Potsdam 1991